24. Juli 2005, 04:29 Uhr, bluewater...bis zum letzten Atemzug......kommuniziere ich mit dir. Ich schreibe, ich denke, ich weine, ich lache, ich lästere, ich kritisiere, ich denke. Es gibt keine Nicht-Kommunikation. Ich spreche mit dir, auch wenn ich meinen nicht Mund bewege. 'non-verbal' nennt man es dann. Denn es gibt keine Nicht-Kommunikation. Ausser wenn ich sterbe.
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24. Juli 2005, 04:26 Uhr, bluewaterDer Zug ist längst abgefahren13:54 Uhr. S1. Gleis 1. Freiburg nach Thun. Die Zeit scheint schnell zu laufen. Wie immer.
14:00 Uhr. Erster Halt. Eigentlich 13:58. Es ist ruhig hier. Ich mochte diese Ruhe an diesem Ort. Ausserdem schien die Zeit hier immer langsamer zu laufen. Ich schaue aus dem Zugfenster; ein Gebäude aus naher Ferne sticht in mein Auge. Lauter Betonblöcke, abgetrennt von braunen Ziegel. Es ist eine Schule.
Der Zug fährt weiter.
Ich kannte mal einen Jungen. Er war in der Klasse von nebenan. Er verkörperte für mich die Stille. Denn er sprach mit niemandem. Er schwieg. Er stand immer alleine herum. Oft waren seine Augen ins Leere gerichtet. Er sagte nichts, und er machte nichts. Schrieb Bestnoten. Ausser Vortrag halten. Das konnte er gar nicht. „Hoffnungsloser Fall“, meinten die Lehrer. Und man machte sich über ihn lustig. Alle machten sich über ihn lustig. Immer. Nicht etwa über sein Schweigen. Nein. Über ihn.
An einem Tag, während einer Pause:
Ich (mit einem Croissant) Hallo.
Er Hallo.
Ich Was machst denn so?
Er Nichts.
Ich kaue mein Croissant.
Ich (mit vollem Mund) Stimmt es, dass dein Lehrer der Herr C. ist?
Er Ja.
Ich Muss ja cool sein, einen Vater als Lehrer zu haben. Da kann man ihn alles fragen, wenn man mal bei Hausaufgaben nicht weiter kommt.
Er Stimmt.
Ich beisse noch ein Stück ab.
Ich Schönes Wetter heute, nicht?
Er Ja.
Ich schaue auf meine Uhr.
Ich Sag mal, magst du deine Klasse eigentlich?
Er Hmm.
Ich Wie bitte?
Er Ja.
Ich Versteh ich nicht.
Er Die Klasse.
Ich Du magst sie?
Er Ich denk schon.
Ich (mein Croissant längst verschlungen) Aha.
Es läutet. Ende der Pause
Das sollte unser letztes Gespräch sein. Später machte ich meinen Schulabschluss, kam ins Collège und zog später in die andere Stadt. Ich hatte ihn nie mehr gesehen. Ich erfuhr später, dass man ihn in eine Sonderschule gesteckt hat. Ich hätte mich doch gerne noch einmal mit ihm unterhalten.
Ein anderer Tag:
18:10 Uhr. S3. Bern. Ab nach Hause.
18:40 Uhr. Freiburg. Ich steige aus. Und plötzlich steigt jemand weiter hinten raus. Ich erspähe ihn.
Er ist es.
Hinterlaufen? Ansprechen? Reden? Das Schweigen brechen? Ist es meine Aufgabe? Bin ich dazu bestimmt? – Hallo / Kennst du mich noch / Ich bin der Schoi / Lange nicht mehr gesehen / Wie gehts / Wie lebt es sich / Was machst du / Wohnst du immer noch in B. / Ich bin im letzten Jahr / Du auch / Mann, das wird hart / – Er verschwindet in der Menschenmenge. Ohne das Schweigen gebrochen zu haben.
Ich schaue aufs Bahngleis.
Der Zug ist längst abgefahren.
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24. Juli 2005, 04:26 Uhr, bluewaterZwischenwelten Teil 2 - Der Junge aus dem NordenIch fing irgendwann an zu weinen. Tropfen für Tropfen liefen an meiner Wange hinunter, die dann Rinnsale bildeten. Und ich lief immer noch. Ich erreichte den Bahnhof und setzte mich auf eine Bank, stützte meinen Kopf in den Händen und musste losschluchzen. Ich sass eine Weile da, bis ich mich irgendwann beruhigt habe. Plötzlich hörte ich eine Stimme.
„Hey, geht es dir gut? Ist denn bei dir alles in Ordnung?“
Ob bei mir alles in Ordnung sei? Ha, nichts ist in Ordnung. Blödere Fragen als diese hier hab ich noch nie gehört. Du siehst doch, dass es mir scheisse geht.
„Ähm, tschuldige. Natürlich geht es dir nicht gut, das sieht man doch oder? Ä-ähm, also ich meine natürlich…“
Der Typ zitterte ja. Ich schaute dann zu ihm hinauf. Er stand direkt vor mir. Ich erkannte einen Jungen, mit dunkelblonden kurzem Haar und wenn nicht, ein bisschen grösser als ich und wahrscheinlich in meinem Alter. Er trug hellbraune Hosen und war in einer dunkelblauen Jacke verhüllt. Seine Augen waren grau-blau.
„Ach, scheisse. Weisst du ich bin ab und zu wirklich ein Idiot. Aber du sahst, ä-ähm natürlich DU siehst halt sehr niedergeschlagen aus. Und da dachte ich mir…“
Na toll. Bemitleiden kann ich mich selbst.
„…dass ich dich doch fragen könnte ob du vielleicht Hilfe gebrauchen könntest?“
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24. Juli 2005, 04:25 Uhr, bluewaterZwischenwelten Teil 1 - FluchtUnd ich wollte nur noch schleunigst weg. Der Abend war für mich vorbei. Ich brauchte Luft, denn hier war es mir schwer zu atmen. Ich verspürte einen gewissen Schwindel in mir, welcher sich in meinem Kopf verbreitete und meine Sicht verschwärzen liess. Ich hatte das Gefühl, dass meine Beine weich wurden. Ich versuchte an einem Tisch Halt zu gewinnen. Und ich hatte immer wieder das gleiche Bild vor mir. Wie sie sich küssten. Auf dem Sofa. Allmählich gewann ich wieder Kontrolle in mir. Jetzt hiess es; weg von hier. Ich raste die Treppe hinunter, und rannte dabei um ein Haar den grossen bärtigen und schlaksigen Typ um. Ich erkannte ihn wieder. Es war der Typ - dessen Name ich nicht einmal wusste - der mich bei jeder Party mit den gleichen Beschwerden vollsülzt: „So ein Pech aber auch, ich habe schon wieder keinen erwischt, der mich durchbürstelt.' Was für ein Volltrolltel, dachte ich mir dabei. Sprich gefälligst selber mal einen Typen an, hätte ich ihm sagen sollen.
„Bitte, lass mich. Ich möchte jetzt gehen.“
„ Hey, was ist denn los mit dir?!“
Idiot.
Der Ausgang war in Sicht. Schliesslich erreichte ihn noch, ohne dieselben Schwindelanfälle nochmal zu erleiden. Raus aus dieser Scheissbude. Ich flüchtete. Flucht vor ihm. Flucht vor meinen Gefühlen. Flucht vor mir selber.
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16. Mai 2004, 00:56 Uhr, bluewaterSeelenverwandteDamals ich deine Seele in Worten las
die Schmerzen die ich nie vergass
was damals mit uns beiden geschah
du warst mir immer so fern und doch so nah
Ein Versprechen vor drei Jahren
das wir uns einmal gaben
Ich habe es nicht vergessen
Der Wunsch dich zu sehen, in mich versessen.
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12. Mai 2004, 20:38 Uhr, bluewaterDas LebenDu und ich. Wir sind zwei Fische schwimmend im Fluss der Zeit, durchquerend die Unendlichkeit. Wir sind zwei Kinder spielend am Strand, unter unseren Füssen den heissen Sand. Wir sind zwei Sterne jenseits der Milchstrasse, leuchtend am Firmanent der Träume. Du und ich. Wir sind zwei Vögel fliegend gen Horizont, wie zwei Astronauten auf dem Weg zum Mond...
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